Verlegte Stolpersteine 2014

Die Verlegung der STOLPERSTEINE durch Gunter Demnig fand am 17.4.2014 statt.

Wir danken den Spendern, die uns die Verlegung ermöglicht haben.

 

Die jüdischen Opfer
 

Duisburger Str. 8

Herbert Kann

Manfred Kann

Dr. Rudolf Kann

Selma Kann

Erwin Eichengrün

Dr. Rudolf Kann, der Vater von Herbert und Manfred, wurde am 12.9.1891 in Duisburg geboren. Nach dem Abitur begann er ein Studium der Rechtswissenschaften. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges wurde er zum Heeresdienst eingezogen und stand als Offizier im Fronteinsatz. Nach dem Ende des Krieges beendete er seine Referendarzeit und bestand sein Assessorexamen. Zunächst trat er in die Kanzlei Simon und Dr. Rubin in Duisburg ein. 1922 eröffnete er eine eigene Anwaltskanzlei am Essener Theaterplatz. Im gleichen Jahr heiratet er Selma van Engel aus Deventer/Niederlande. In Essen kommen auch die beiden Söhne zur Welt: Manfred am 5.7.1923 und Herbert am 27.2.1925. Die Familie wohnt zunächst in einer Wohnung in der Frohnhauser Str. 297, später ziehen die Kanns in das eigene Haus in der Henricistr. 38. Dr. Kann war Mitglied im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten.
Gleich zu Beginn der nationalsozialistischen Gewaltherrrschaft 1933 emigrieren die Kanns mit ihren Söhnen nach Paris. Dr. Kanns Versuch, sich in Frankreich eine neue Existenz aufzubauen, scheiterte jedoch.1934 verzog das Ehepaar ohne seine Söhne in die Schweiz. Vermutlich kamen Manfred und Herbert zu dieser Zeit bei der Familie von Selma Kann in den Niederlanden unter. Am 19.5.1935 verstarb Dr. Rudolf Kann in Zürich an den Folgen einer Blinddarmentzündung. Selma Kann kehrte nun alleine in die Niederlande zurück. Am 6.6.1935 treffen Manfred und Herbert in Dinslaken ein. Sie wohnten bei der Schwester ihres Vaters, Elly Kann und ihrer Familie in der Duisburger Straße 8. Neben Ehemann Hermann Eichengrün gehörten auch Thea, die Tochter des Ehepaares und Sohn Erwin zur Familie. Thea wurde am 8.6.1920 in Dinslaken geboren, Erwin kam dort am 29.6.1924 zur Welt. Elly Kann führte in der Duisburger Str. 8 ein Hutgeschäft, ihr Ehemann Hermann war Inhaber einer Fell- und Lederhandlung im gleichen Haus.
Selma Kann lebte in den Niederlanden, besuchte jedoch ihre Söhne regelmäßig in Dinslaken. Während eines Besuches in Deutschland wurde sie am 5.5.1937 in Moers verhaftet. Wie lange ihre Haftzeit dauerte und wo sie inhaftiert war, konnte noch nicht in Erfahrung gebracht werden. Am 30.7.1937 wurden Herbert und Manfred Kann bei der Stadt Dinslaken abgemeldet. Als neuer Wohnort wird nun Mailand/Italien in den Akten geführt. Ein gutes Jahr später, am 19.9.1938 kehren die beiden Jungen in die Duisburger Str. zu Onkel und Tante zurück. Thea Eichengrün war bereits im März 1938 in die USA geflohen. Das Ehepaar Eichengrün floh am 12.10.1938 nach Essen. Elly Eichengrün hatte ihr Hutgeschäft bereits am 1.9.1936 eingestellt. Die Lederhandlung von Hermann Eichengrün existierte offiziell noch bis zum 23.12.1938.
Nach dem Pogrom vom November 1938 werden Herbert und Manfred Kann "Von Amts wegen" am 15.11.1938 abgemeldet. Sie erreichten den Haag am 11.2.1939. Selma Kann lebte dort seit Mai 1938. Die Zeitspanne von nahezu zwei Monaten zwischen Ab- und Anmeldung ist durch einen wahrscheinlichen Aufenthalt der Geschwister in Köln, wohin die Kinder des Jüdischen Waisenhauses nach dem Pogrom gelangen, zu erklären. Vermutlich werden sich Herbert und Manfred, aber auch ihr Cousin Erwin nach der Flucht von Elly und Hermann Kann oft im Waisenhaus aufgehalten haben.
Eine andere Erklärung bietet die Eintragung auf der Meldekarte der Mutter. Beide Söhne wurden auf dieser registriert, jedoch gestrichen mit dem Eintrag: "zie Vluchtelingenverblijfregister Essen DI." Vielleicht ist hier jedoch lediglich der Geburtsort der Geschwister gemeint.
Manfred und Herbert lebten nicht mir ihrer Mutter in Den Haag zusammen.
Erwin Eichengrün traf am 9. Dezember 1938 in Amsterdam ein. Dort hielt er sich bis Ende Januar 1939 auf, dann lebte er in Wijk an Zee. Von Dezember 1939 bis Juli 1941 lebte er im Werkdorp Wieringen. Im Juli 1941 lebte er wieder in Amsterdam.
Selma Kann wurde am 20.8.1942 von Den Haag aus nach Westerbork gebracht. Sie wurde am 24.8.1942 von dort nach Auschwitz deportiert und starb vermutlich irgendwann in der Periode bis Ende September. Ihr Todestag wurde auf den 30.9.1942 festgelegt. Ihr Sohn Herbert, der bei der Familie Wijzenbeek in Utrecht lebte, wurde dort verhaftet und ab dem 23.3.1943 in Westerbork interniert. Am 30.3.1943 wurde er nach Sobibor deportiert und dort am 2.4.1943 nach der Ankunft ermordet. Manfred lebte offiziell ebenfalls in Utrecht, kam aber am 31.7.1943 aus Den Haag nach Westerbork.Von dort ist er am 24.8.1943 nach Auschwitz deportiert worden. Er starb im Krankenbau von Auschwitz-Monowitz am 26.12.1943.
Erwin Eichengrün war bereits mit dem ersten Transport am 15. Juli 1942 von Amsterdam über Westerbork nach Auschwitz deportiert worden. Sein Sterbedatum konnte nicht festgestellt werden.
Hermann und Elly Eichengrün konnten sich wie ihre Tochter Thea in die USA retten.

Quellen:
Bundesarchiv Gedenkbuch Online-Fassung vom 18.9.2013; Besuch Bad Arolsen vom 12.9.2013; ZNK Dok ID 20768886, ITS Digitales Archiv; Joods monument, Online-Datenbank; Adressbuch Dinslaken 1935.

Mitteilungen:
Schriftliche Auskunft Herinnerungscentrum Kamp Westerbork; Auskunft Stadtverwaltung Dinslaken.

Literatur:
Bernd Schmalhausen: Schicksale jüdischer Juristen in Essen 1933-1945, Bottrop 1994; Jürgen Grafen: "Arisierung" und "Wiedergutmachung" in Dinslaken, In: Nationalsozialismus in Dinslaken und seine Nachwirkungen, Essen 2008.

 

 

 


 

 

 

   

Wielandstr. 2
Johanna David, geb. Steinberg
Julie Jakobs/Gunzenhäuser, geb. David
Renate Jakobs


Johanna Steinberg wurde am 16. 1.1865 in Altena/Westfalen geboren. Ihre Eltern waren Julie, geb. Isaakson und der Metzgermeister Moses Steinberg. Sie war das vierte von insgesamt sechs Kindern des Ehepaares Steinberg. Johanna wurde Haushälterin. Sie brachte ihre Tochter Julie am 7. 10. 1896 in Berleburg/Kreis Wittgenstein zur Welt. Am 2.2.1898 heiratete Johanna vor dem Standesamt Dinslaken den am 7.11.1848 in Rees geborenen und in Dinslaken lebenden Postboten Meier David. Hier brachte sie am 3.3.1899 die gemeinsame Tochter Rosa zur Welt. Das Ehepaar David zog mit den Töchtern in die Neustraße 9 in Dinslaken. Auch Julie Steinberg erhielt nun den Namen David. Fast 25 Jahre lang lebte das Ehepaar David in der Wohnung in der Neustr. 9. Am 13.8.1929 verstarb Meier David in Dinslaken und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Dinslaken bestattet. Nur wenige Tage später bezog die Witwe Johanna David eine Wohnung in der Wielandstr. 19. Auch ihre Tochter Rosa lebte dort mit ihr. Sie heiratete 1933 in Dinslaken den aus Rees stammenden Emil Isaac. 1934 wurde in der Wielandstr. 19 die gemeinsame Tochter Margot geboren. Im gleichen Jahr verzogen Rosa und Margot Isaac nach Rees. 1936 zog Johanna David in die Wielandstraße 2. Julie David hatte den aus dem Kreis Düren stammenden Gustaw Jakobs geheiratet und brachte am 19.7.1925 in Aachen die gemeinsame Tochter Renate zur Welt. Julie David hatte den Beruf der Verkäuferin erlernt. Zur Zeit der Geburt von Renate lebten die Eltern in der Stadt Langerwehe/Kreis Düren. Julie Jakobs war bereits Witwe, als sie mit ihrer Tochter Renate von Langerwehe am 21. Juni 1936 zu ihrer Mutter in die Wielandstraße 2 nach Dinslaken zog. Ein gutes Jahr später verzog sie in die Hünxer Str. 43. Johanna David, Julie und Renate Jakobs erlebten den 9./10. November 1938 in Dinslaken und wurden vermutlich, wie die anderen Gemeindemitglieder auch, in der jüdischen Volksschule interniert. Renate Jakobs verzog bereits am 14.12.1938 nach Köln in die Alteburgerstraße 19. Ihre Großmutter Johanna floh Anfang des Jahres 1939 nach Rees zu Tochter Rosa, Enkelkind und Schwiegersohn, ihre Mutter Julie Jakobs am 7.2.1939 nach Köln in die Franzstr. 12. In Rees wohnte Johanna David Am Kirchplatz 12, bevor sie schließlich auch in Köln lebte. Renate Jakobs gehörte zu den Kindern und Jugendlichen, die mit den Bewohnern des Israelitischen Waisenhauses Dinslaken am 22. Dezember 1938 die belgische Stadt Middelkerke bei Ostende erreichten. Hier lebte sie für zwei Monate in der "Villa Johanna", einem Erholungsheim für jüdische Kinder. Ab dem Februar 1939 lebte sie im "Heim General Bernheim" in Zuen; später bei zwei jüdischen Familien in Meuse und Uccle. Sie kehrte am 16.07.1941 nach Köln zurück.

Johanna David befand sich 1941 in dem Ghettohaus am Horst-Wessel-Platz 14. Hier lebten vorwiegend ältere Juden aus Köln, daher wurde diese Anschrift oft beschönigend "Altersheim" genannt. Ihre Tochter Julie hatte sich inzwischen in zweiter Ehe im November 1940 mit Arnold Gunzenhäuser verheiratet. Arnold und Julie Gunzenhäuser und Renate Jakobs wurden von Köln aus am 30.10.1941 in das Ghetto Litzmannstadt/Lodz deportiert. Renate Jakobs hatte in einem "Judenhaus" am Zülpicher Platz 4 leben müssen, bevor sie deportiert wurde. Renate und Julie sowie Arnold Gunzenhäuser lebten im Ghetto Litzmannstadt gemeinsam in einer Wohnung in der Franzstraße 107. Im Juni 1942 hielten sich zumindest Mutter und Tochter noch gemeinsam dort auf. Renate Jakobs arbeitete als Schneiderin in der Ghettoschneiderei.
Arnold und Julie Gunzenhäuser überlebten den Völkermord nicht. Die genauen Todesumstände sind nach derzeitigem Erkenntnisstand unbekannt. Renate Jakobs wurde am 26. Juni 1944 wahrscheinlich in das Vernichtungslager Kulmhof verbracht und dort ermordet. In der "Getto-Chronik" wurde am 26. Juni 1944 vermerkt:
"Heute ist der II. Transport mit 912 Personen abgefahren...Die Verladung erfolgte in der gleichen Zugsgarnitur, unter denselben Umständen wie das erste Mal... Mit diesem Transport ging eine größere Anzahl von jüngeren, darunter mehreren freiwilligen, Personen, die das Getto guten Mutes verließen..."
Johanna David, geb. Steinberg wurde von Köln aus am 28. Juli 1942 nach Thersienstadt deportiert. Mit diesem Zug wurden insgesamt 1165 Juden von Köln aus nach Theresienstadt verschleppt. Sie starb dort zwischen dem 13. und 15. August 1942, gute zwei Wochen nach ihrer Deportation.
Rosa, Margot und Emil Esaac wurden am 11. Dezember 1941 von Düsseldorf aus nach Riga deportiert. Sie überlebten das Ghetto nicht.


Literatur:
Letzte Tage. Die Lodzer Getto-Chronik Juni/Juli 1944. Göttingen 2004.
Barbara Becker-Jakli: Das jüdische Köln. Köln 2012.
Sepp Aschenbach: Steine der Erinnerung. Der jüdische Friedhof in Dinslaken. Dinslaken 2006.

Karola Fings/Hildegard Jakobs: Deportiert ins Ghetto. Die Deportationen der Juden aus dem Rheinland im Herbst 1941 in das Ghetto Litzmannstadt. Köln 2012.

Anne Prior: "Geben Sie diese Kinder nicht auf!". Kindertransport nach Belgien und die Schicksale der Bewohner des Israelitischen Waisenhauses Dinslaken 1939-1945. Essen 2015.

Auskunft:
Schriftliche Auskunft Stadtverwaltung Dinslaken.
Schriftliche Auskunft ITS Bad Arolsen.
Schriftliche Auskunft Standesamt Aachen.
Schriftliche Auskunft Stadtarchiv Bad Berleburg.
Schriftliche Auskunft Stadtarchiv Altena.
Schriftliche Auskunft Bundesarchiv Berlin.

Quellen:
Bundesarchiv Gedenkbuch.
Digitale Edition Steinheim Institut. Jüdischer Friedhof Altena 1718-1930. www.steinheim-institut.de
Interaktive Datenbanken EL-DE-Haus Köln, Stolpersteine. www.museenkoeln.de

 

 

 

   

Bahnstr. 12
Doris Lorenzen, geb. Frankenberg

 

Doris Frankenberg wurde am 19. Juni 1898 in Themar/Thürigen geboren. Sie war die jüngste Tochter des Viehhändlers Nathan Frankenberg und seiner Ehefrau Bertha, geb. Rosenthal. Sei heiratete den Friseur Karl Lorenzen 1926 in Krefeld. Karl Lorenzen war Christ. Das Ehepaar zog nach Dinslaken in die Hünxer Str. 234. 1938 lebten sie in der Lohbergstr. 99. In diesem Jahr wurde ihr Sohn Gerhard geboren. 1942 mußte das Ehepaar in das "Judenhaus" an der Weseler Str. 206 ziehen.
Durch ihre mit einem Christen geschlossene Ehe war Doris Lorenzen zunächst vor den Deportation geschützt. Im September 1944 war es mit diesem Privileg jedoch vorbei. Am 17. September 1944 wurde sie in Dinslaken verhaftet und von Düsseldorf aus nach Zeitz gebracht. In Minkwitz bei Zeitz mußte sie wie andere jüdische Frauen aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf für die "Organsiation Todt" Zwangsarbeit leisten. Ebenso wie Anna Dümer wurde sie im Februar 1945 in das "Altersghetto" Theresienstadt deportiert. Am 18. Februar traf sie mit dem als Transport Nr. XII/10 registrierten Zug in Theresienstadt ein. Doris Lorenzen bekam die Häftlingsnummer 1210496. In Theresienstadt befand sich auch Meta Krakauer, eine Schwester ihres Vaters Nathan. Die 1868 in Marisfeld geborene Frau befand sich seit September 1942 dort. Sie war zur Häftlingsarbeit eingeteilt - ein Umstand, der der zweifachen Witwe laut eigenen Aussagen das Leben retten sollte. Nach der Befreiung von Theresienstadt im Mai 1945 kehrte Doris Lorenzen nach Dinslaken zurück. Meta Krakauer, die alle Angehörigen, bis auf ihre Nichte Doris, verloren hatte, ging mit ihr nach Dinslaken.Sie starb dort am 10. Juli 1955 und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Dinslaken beerdigt.
Im Oktober 1945 eröffnete Doris Lorenzen ihren "Einzelhandel mit Textilien, Wäsche und Putzmittel" in der Hünxer Str. 363, den sie bis zum kurz vor ihrem Tod am 4. Januar 1970 führte.
Auf Wunsch der Familie Lorenzen wird der STOLPERSTEIN für Doris Lorenzen in der Bahnstr. 12 verlegt. Hier liegen bereits STOLPERSTEINE für die Familie Katz. Martha Katz, in deren Haus ihre Schwester Doris Lorenzen ein und aus ging, wurde in Auschwitz ermordet. Die Schwestern waren einander eng verbunden.

Literatur:
Anne Prior: "Von Dinslaken nach Theresienstadt und zurück. Jüdinnen in Dinslaken nach 1945." In: Kreis Wesel Jahrbuch 2013, Duisburg 2012.
Randi Crott/Lillian Crott Berthung: Erzähl es niemandem! Köln 2013.

Mitteilungen:
Schriftliche Mitteilung ITS Bad Arolsen.
Schriftliche Mitteilung Stadtverwaltung Themar.
Mündliche Mitteilungen Familie Lorenzen, Dinslaken.

 
Doris Lorenzen


Grabplatte von Meta Krakauer
auf dem Jüd. Friedhof in Dinslaken.

 

 

 

 

Bahnstr. 16

Dr. Isaak Naumann
Mathilde Naumann, geb. Kahn
Margarethe Naumann

 


Mathilde Kahn wurde am 15.6.1871 in Staufen geboren. Ihre Eltern waren Moritz Kahn und seine Ehefrau Lena, geb. Dukas.
Mathilde Kahn heiratete den Arzt Dr. Isaak Naumann. Isaak Naumann wurde am 3.11.1865 in Beilstein bei Kassel geboren. Er studierte an der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg und wurde dort 1891 promoviert. Wann genau das Ehepaar Naumann seinen Wohnsitz in Dinslaken nahm, kann zur Zeit nicht bestimmt werden. Die gemeinsame Tochter Rosalie wurde am 16.5.1893 in Dinslaken geboren. Die Geburt der Tochter Margarethe erfolgte am 27.8.1895. Zu diesem Zeitpunkt wohnte das Ehepaar Naumann in der Bahnstr. 7 in Dinslaken. Dr. Naumann eröffnete zu einem noch nicht genau bestimmten Zeitpunkt eine Praxis für Allgemeinmedizin in der Bahnstr. 16 in Dinslaken. Das Ehepaar Dr. Naumann und die ledige Tochter Margarethe verzogen im Jahr 1934 nach Wiesbaden. Sie lebten dort in der Bierstadterstr. 10.
Nachfolger in der Praxis Dr. Naumann war der Arzt und SS-Sturmbannführer Dr. Hans Schnittert (1902-1939). Schnittert war Kreisobmann des NSDÄB bis zu seinem Tod im Jahre 1939 und gehörte zum Führerstab des SS-Oberabschnitts-West.
Dr. Isaak Naumann verstarb am 13.8.1936 in Wiesbaden. Er wurde auf dem Orthodoxen Friedhof Am Hellkundweg in Wiesbaden bestattet. Mutter und Tochter Naumann lebten nach dem Tod von Dr. Isaak Naumann in der Wiesbadener Rosenstr. 2.
Am 1.9.1942 wurde Mathilde Naumann von Frankfurt/Main aus in das "Altersghetto Theresienstadt" deportiert. Mit dem als Transport XII/2 bezeichneten Zug traf sie am 2.9.1942 in Theresienstadt ein. Insgesamt wurden mit diesem Transport 1110 Juden aus dem Raum Frankfurt nach Theresienstadt deportiert. Nur 32 Personen aus diesem Transport überlebten. Am 15.5.1944 wurde Mathilde Naumann von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Margarethe Naumann wurde am 10. Juni 1942 von Frankfurt/Main aus nach Majdanek deportiert. Dieser Transport wurde in das Vernichtungslager Sobibor weitergeleitet. Sofort nach der Ankunft in Sobibor wurde sie ermordet.
"Aus diesem Transport sind keine Überlebenden bekannt."
Rosalie Naumann verheiratete sich mit Hermann Carlebach. Die Familie Carlebach konnte rechtzeitig aus Deutschland fliehen. Rosalie Carlebach verstarb 1958 in Tel Aviv.
Mathilde Naumann geb. Kahn war eine Schwester von Bertha Wormser geb. Kahn. Bertha wurde am 5.2.1867 in Staufen geboren. Ihr Ehemann Leopold Wormser war Lehrer an der jüdischen Volksschule in Dinslaken und der erste Leiter des jüdischen Waisenhauses Dinslaken. Er wurde am 8.11.1855 in Gersfeld geboren und verstarb in Frankfurt/Main am 6.4.1925. Bertha Wormser lebte 1942 im Israelit. Krankenhaus in der Gagernstr. 36 in Frankfurt/Main. Sie wurde mit anderen Patienten des Krankenhauses am 19. 8. 1942 von Frankfurt aus nach Theresienstadt deportiert. Nach seiner Ankunft erhielt der Zug die Bezeichnung "XII/1". Bertha Wormser verstarb am 18.10.1942 in Theresienstadt.

Dr. Mathilde Maier, geborene Wormser, lebte mit ihrem Ehemann Dr. Max Hermann Maier seit Dezember 1938 in Rolandia/Brasilien. In Ihrer 1978 erschienen Biografie "Die Gärten meines Lebens" erinnerte sie sich an die Familie Naumann:

"Wenn man am schmalen Uferpfad des Baches weiterging, kam man zur Tante Mathilde. Sie wohnte in einem alten Häuschen, und ihr Mann war der Onkel Doktor, einer der drei Ärzte des Städtchens. Wie gern gingen wir zu Tante Mathilde! Ihr Haus war so sauber und aufgeräumt, da tobte keine Kinderschar herum wie bei uns. Die beiden Cousinen waren stille, wohlerzogene Mädchen...Wenn man Glück hatte, durfte man mit dem Onkel Doktor in der Kutsche, einem zweirädrigen Wagen mit Verdeck, vom Pferdchen Max gezogen, Krankenbesuche machen, nach Hiesfeld zur Zeche oder in den Bruch."

Literatur:
Anne Prior: "Wo die Juden geblieben sind, ist [...] nicht bekannt." Essen 2010.
Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationsalger Auschwitz Birkenau. Hamburg 1989.
Alfred Gottwald/Diana Schulle: Die "Judendeportationen" aus dem Deutschen Reich 1941-1945. Wiesbaden 2005.

Mathilde Maier: Die Gärten meines Lebens. Frankfurt am Main 1978.

 

Quellen:
Gedenkbuch Bundesarchiv.

Mitteilungen:
Schriftliche Mitteilung Stadtverwaltung Dinslaken.
Schriftliche Mitteilung Dr. Elisabeth Schaub, Wiesbaden.
Schriftliche Mitteilung Stadtarchiv Staufen.
Schriftliche Mitteilung Archiv der Universität Freiburg.
Schriftliche Mitteilung Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main.
Schriftliche Mitteilung ITS Bad Arolsen.
Schriftliche Mitteilung Bundesarchiv Berlin.

 

 

 

   

Wilhelm-Lantermann-Str. 20
Hugo Jacob


Hugo Jacob wurde am 18.5.1895 in Dinslaken geboren. Er war der Sohn von Moritz Jacob und Helena, geb. Herz. Die Jacobs waren in Dinslaken und Umgebung bekannte Viehhändler. Auch Hugo Jacob baute sich eine berufliche Existenz als Viehhändler auf. 1935 lebte er mit seiner Ehefrau Philippine Henriette geborene Gerullat in der Kaiser-Friedrich-Straße, der heutigen Wilhelm-Lantermann-Straße. Die evangelische Christin Henriette "Henny" Gerullat wurde in Altenorf/Essen als Tochter eines Bergmanns geboren. Nach dem Novemberpogrom von 1938 wurde Hugo Jacob mit anderen Männern der jüdischen Gemeinde Dinlaken in das Konzentrationslager Dachau eingewiesen. Auch sein Bruder Walter wurde mit ihm verhaftet. Hugo Jacob wurde am 5.1.1939 aus Dachau entlassen. Elf Monate später, am 5.12.1939, verzog er mit seiner Ehefrau Henriette in die Essener Hachestr. Nr. 20. Im September 1943 verzog er in die Kruppstr. 185, zwei Monate später in die Cranachstr. 31. Das Haus in der Hachestraße wurde später ein sogenanntes "Judenhaus". Obwohl seine Ehefrau evangelisch war, hatte das Ehepaar Jacobs bei seiner Ankunft in Essen angegeben, katholisch zu sein. Später wurde mit Rotstift auf der Meldekarte von Hugo Jacob der Vermerk "Jude" eingefügt.
Am 17. September 1944 wurden die in bisher "priviligierter Mischehe" lebenden Juden des Regierungsbezirks Düsseldorf verhaftet und in Zwangsarbeiterlager eingewiesen. Hugo Jacob entzog sich der Verhaftung mit Hilfe der Familie seiner Ehefrau und lebte im Versteck. Seine Schwester Erna und der Bruder Walter waren bereits 1942 nach Majdanek deportiert und dort, bzw. in Sobibor, ermordet worden, Bruder Julius war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls tot. Er starb am 3.12.1942 in Shanghai - vermutlich im dortigen Ghetto.
Am 10. Oktober 1947 lebte das Ehepaar Jacob in der Dinslakener Düppelstr. 8, wie das American Joint Distribution Committee mit Sitz in Bergen-Belsen, feststellte. Das Ehepaar war bereits im Juli 1945 nach Dinslaken zurückgekehrt.  Hugo Jacob gehörte wie die aus Theresienstadt zurückgekehrten Jüdinnen Doris Lorenzen und Anna Dümer der Jüdischen Gemeinde Oberhausen an. Ehefrau Henny verstarb am 7.9.1957 in Dinslaken und wurde dort auf dem jüdischen Friedhof beerdigt. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinden Nordrhein hatte bereits kurz nach dem Krieg entschieden, dass diejenigen Ehepartner, die fest zu ihren jüdischen Partnern während des Nationalsozialismus gestanden hatten, auf einem jüdischen Friedshof bestattet werden durften. Hugo Jacob verzog nach den Haag / Niederlande in die Rigolettostraat 29. Er heiratete 1959 ein zweites Mal und starb 1988 im Alter von 93 Jahren Jahren. Zu einigen Nachbarn aus Dinslaken pflegte er noch lange freundschaftliche Kontakte.

Literatur:
Anne Prior: "Wo die Juden geblieben sind, ist [...] nicht bekannt. " Essen 2010.
Donate Strathmann: Auswandern oder hierbleiben. Jüdisches Leben in Düsseldorf und Nordrhein 1945-1960. Essen 2003.

Mitteilungen:
Schriftliche Mitteilung Haus der Geschichte, Essen.

Schriftliche Mitteilung Stadtverwaltung Dinslaken.

Quelle:
Adressbuch der Stadt Dinslaken 1935.

 

Bildquelle:
ITS Bad Arolsen, 3.1.1.1., DP 1554/0209, Dok-ID: 67424165, ITS Digitales Archiv.

 



 




Neujahrsgrüße von Hugo Jacob

 

 

   

Fr.-Ebert-Str. 27
Anna Dümer, geb. Marcus


Anna Dümer wurde als drittes Kind des Metzgermeisters Hermann Marcus und seiner Ehefrau Hermine, geb. Kahn, 1889 in Essen-Borbeck geboren. Im April 1892 verzog das Ehepaar Marcus mit den Kindern Antoinette, Otto und Anna nach Essen.

Anna heiratete 1919 den aus Uschlag im Kreis Hann.-Münden stammenden Karl Dümer. Karl Dümer war Christ.  Anna Dümer führte mit ihrem Ehemann in den dreißiger Jahren ein Möbelgeschäft in der Dinslakener Wielandstraße 1.
Zunächst durch ihren Status als in "Mischehe" lebende Jüdin geschützt, wurde Anna Dümer am 17. September 1944 verhaftet. Mit ihr wurden ca. 200 bis 300 Personen aus dem Reg.-Bezirk Düsseldorf, die diesen Status ebenfalls innehatten, von Düsseldorf aus in verschiedene Arbeitslager verschleppt. Anna Dümer mußte in Halle Zwangsarbeit leisten, bevor sie von dort im Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert wurde. Mit dem als Transport Nr. VII/10 registrierten Zug traf sie am 18. Februar 1945 in Theresienstadt ein. Das "Altersghetto" Theresienstadt wurde am 7.5.1945 von der Roten Armee befreit und Anna Dümer  kehrte an den Niederrhein zurück. Zunächst lebte sie in Wesel in der Kraftstr. 6, bevor sie im Dezember 1950 ihren Wohnsitz nach Dinslaken verlegte. Sie hatte dort in der Duisburger Str. 108 im September 1950 einen "Einzelhandel mit Textilien" eröffnet. Sie führte das Geschäft bis zum 1. Juli 1967. Anna Dümer starb am 4. März 1974 in Dinslaken. Ihr Ehemann Karl war bereits einige Zeit zuvor verstorben.


Literatur:
Prior, Anne: "Von Dinslaken nach Theresienstadt und zurück. Jüdinnen in Dinslaken nach 1945." In: Kreis Wesel Jahrbuch 2013. Duisburg 2012.

Mitteilungen:
Schriftliche Mitteilung ITS Bad Arolsen.
Schriftliche Mitteilung Stadtverwaltung Dinslaken.
Schriftliche Mitteilung Stadtarchiv Wesel.

 

 


 

 



Karl & Anna Dümer

Hedwigstr. 47a
Helene, Wilma und  Siegfried Landau


Siegfried Landau wurde am 10.6.1900 in Ramsorf geboren. Seine Eltern waren Meyer Landau und Friederika (Rikka), geb. Wolf. Er erlernte den Beruf des Bäckers und Konditors. Im Jahr 1930 heiratete Siegfried in Dinslaken die am 26.5.1908 in Dinslaken geborene Helene Gradus, eine Tochter des Reisenden Leopold Gradus und seiner Ehefrau Wilhelmine, geborene Fuldauer. Hier kam am 18.6.1931 in der Hedwigstr. 47a ihre Tochter Wilma auf die Welt. Das Ehepaar Landau wohnte zeitweilig auch bei den Eltern von Helene in der Weselerstraße 129. Das Dinslakener Adressbuch des Jahres 1935 verzeichnet einen gleichnamigen Eintrag in der Augustastr. 84. Diese Anschrift wurde jedoch auf der Meldekarte des Ehepaares Landau nicht vermerkt. Wilma lebte von Juni 1936 bis zum Novemberpogrom 1938 im Haus von Betty Wolf in der Adolf-Hitler-Str. 56 - heute Fr.-Ebert-Str. 56. Vermutlich war dies auch der räumliche Nähe zur jüdischen Volksschule geschuldet, die sich in unmittelbarer Nähe des Wohn- und Geschäftshauses von Betty Wolf befand. Wilma wurde im Jahr 1937 schulpflichtig. Frau Wolf wurde am Morgen des 10. November 1938 Opfer eines brutalen Überfalls von SA-Männern.

Nach dem Pogrom des Jahres 1938 gelangte die siebenjährige Wilma  mit den Kindern des Israelitischen Waisenhauses Dinslaken nach Köln in die Rubensstr. 33. Hier befand sich das Wohlfahrtsamt der Synagogengemeinde Köln. Zu Beginn des Jahres 1939 erreichte Wilma wie ihre Kusine Elfriede Ingenkamp mit Hilfe eines Kindertransportes die Niederlande.

Im Juni 1941 traf sie aus Amsterdam wieder in Dinslaken ein. Ihre Eltern lebten inzwischen in einem "Judenhaus" in der Weseler Str. 206.

Helene, Wilma und Siegfried Landau wurden am 11. Dezember 1941 gemeinsam mit Karl Gradus, dem Bruder von Helene Landau, in das Ghetto von Riga deportiert. Seither gab es kein Lebenszeichen von ihnen. Sie wurden nach dem Krieg mit Wirkung vom 8.5.1945  für tot erklärt.

 

Quellen:

Bundesarchiv Gedenkbuch Online-Fassung vom 18.9.2013

www.dokin.nl

 

Mitteilungen:

Schriftliche Mitteilung ITS Bad Arolsen.

Schriftliche Mitteilung Stadtverwaltung Dinslaken.

Schriftliche Mitteilung Dr. Norbert Fasse. Borken.

 

Literatur:

Norbert Fasse: Katholiken und NS-Herrschaft im Münsterland. Das Amt Velen-Ramsdorf 1918-1945. Bielefeld 1996.

Anne Prior: "Wo die Juden geblieben sind, ist [...] nicht bekannt." Essen 2010.

 

 

 

 


Siegfried Landau


Helene Landau


Wilma Landau

 

Die ernsten Bibelforscher/Zeugen Jehova    
     

Hedwigstraße 49
Rudolf Mazanec


Rudolf Mazanec wurde am 31.3.1909 in Zwickau geboren und war tschechoslowakischer Staatsbürger. 1930 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft. 1935 lebte Rudolf "Rudi" Mazanec in Dinslaken in der Hedwigstr. 49. Er hatte eine Arbeitsstelle bei der Dinslakener Baufirma Erb und Co. und war verheiratet mit Bertha, geb. Burger. Er gehörte zunächst der Evangelischen Kirche an, verließ diese aber 1934 und schloß sich den "Ernsten Bibelforschern" an. Im Juli 1935 wurde er gemeinsam mit den "Ernsten Bibelforschern" Heinrich Dickmann und Langhoff in Voerde-Friedrichsfeld verhaftet. Der zuständige Untersuchungsrichter lehnte den gegen ihn gestellten Haftantrag wegen "Bibelforschung" ab. Dennoch wurde er auf Anweisung des Dinslakener Landrats Wilhelm von Werder am 23. Juli 1935 in "Schutzhaft" genommen und am 3. August 1935 in das Konzentrationslager Esterwegen eingewiesen. Von dort wurde er im Oktober 1935 entlassen. Am 5. 11. 1935 wurde er vom Landgericht Duisburg zu einer siebenmonatigen Haftstrafe wegen "Bibelforschung" verurteilt. Am 4. 2. 1938 befand sich Rudolf Mazanec im Zuchthaus Düsseldorf-Derendorf erneut in Haft.
Rudi Mazanecs Einberufung zum Bau-Ersatzbataillon 6 in Waldbröhl erfolgte zu einem unbekannten Zeitpunkt. Seine Anklage vor dem Reichskriegsgericht in Berlin erfolgte am 17.11.1939 unter dem Aktenzeichen STPL. (RKA) 797/39. Die Hauptverhandlung gegen ihn fand am 9.12.1939 statt. Das Urteil lautete: "Todesstrafe wegen Zersetzung der Wehrkraft, dauernder Verlust der Wehrwürdigkeit und der bürgerlichen Ehrenrechte." Das Urteil wurde am 23.12.1939 bestätigt und damit rechtskräftig. Rudi Mazanec wurde am 11. Januar 1940 in Berlin-Plötzensee enthauptet.

Quellen:
Landesarchiv Düsseldorf, Abteilung Rheinland Bestand RW 58 Nr. 38402 und RW 58 Nr. 13603

Mitteilungen:
Mündliche und schriftliche Mitteilung Gedenkstätte Deutscher Widerstand Berlin.
Schriftliche Mitteilung Marcus Herrberger, Witzenhausen.

Literatur:
Dinslaken in der NS-Zeit. Vergessene Geschichte 1933-1945. Kleve 1983.
Marcus Herrberger: "Denn es steht geschrieben: Du sollst nicht töten!" Wien 2005.

 
     
     
Die politischen Opfer    
     

Marthastr. 27
Otto Geikowski


Otto Geikowski wurde am 11.2.1881 in Graudenz/Pommern geboren. Er erlernte den Beruf des Schiffszimmerers. Im Jahr 1921 wurde er aus Polen ausgewiesen und gelangte zunächst nach Düsseldorf. 1922 wohnte er in Dinslaken. Otto Geikowski war von 1908 bis 1924 Mitglied der SPD, 1928 schloß er sich der KPD an. Nach dem Reichstagsbrand wurde er am 3.3.1933 in "Schutzhaft" genommen  und in das Gefängnis von Duisburg-Hamborn eingewiesen. Am 1.8.1933 wurde in das Konzentrationslager Börgermoor eingewiesen.Von dort wurde er am 1.9.1934 entlassen. Am 9.4.1937 erfolgte seine erneute Verhaftung infolge einer "Schutzhaftsonderaktion" des Landrats von Dinslaken, Wilhelm von Werder und seine Einweisung in das Amtsgerichtsgefängnis Duisburg. Ihm wurde eine "hochverräterische Betätigung im Sinne der verbotenen KPD" vorgeworfen. Vorausgegangen war die Denunziation einer Genossin. Otto Geikowski bestritt wie die anderen mit ihm Verhafteten die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Das Amtsgericht erließ keinen Strafbefehl - er blieb jedoch weiter in "Schutzhaft", da "von einer weiteren Betätigung" auszugehen war. Am 18.8.1937 erfolgte seine Entlassung aus dem Gefängnis.

Infolge des gescheiterten Stauffenberg-Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 kam es zu einer reichsweiten Verhaftungsaktion gegen politische Gegner. Obwohl mit den Attentätern  keinerlei Verbindung bestand, wurden er und etliche ehemalige KP-Mitglieder aus dem Landkreis Dinslaken am 15.9.1944 verhaftet  und in das "Durchgangslager" bei der Ruhrchemie Oberhausen inhaftiert. Von dort erfolgte ihre Einweisung in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Flossenbürg.

Am 28.9.1944 traf Otto Geikowski mit anderen "reichsdeutschen Schutzhäftlingen" der Stapo-Leitststelle Düsseldorf  in Flossenbürg ein. Er erhielt die Häftlingsnummer 27096. Der Dreiundsechzigjährige war den katastrophalen und entwürdigenden Arbeits- und Haftbedingungen in Flossenbürg nicht gewachsen. Er starb sechs Wochen nach seiner Einlieferung im Hauptlager von Flossenbürg am 10. November 1944.

Otto und Anna Geikowski wohnten viele Jahre in der Wasserturmstr. 117 in Dinslaken. In Schriftstücken aus der Zeit nach seiner Verhaftung 1944 wurde als letzter Wohnort  Marthastr. 27 angegeben. Hier wohnten Tochter und Schwiegersohn. Vermutlich wurde er auch hier verhaftet.

 

Quellen: Landesarchiv Düsseldorf Bestand RW 58 Nr. 30674.

 

Mitteilungen: Schriftliche Mitteilung Gedenkstätte Flossenbürg; Schriftliche Mitteilung ITS Bad Arolsen.

 

Literatur: Jörg Skriebeleit: Flossenbürg - Hauptlager. In: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.): Flossenbürg. Das Konzentrationslager Flossenbürg und seine Nebenlager, München 2007.

 

 


Otto Geikowski und seine Ehefrau Anna
sowie Töchterchen Charlotte

 

     
Texte: Anne Prior 2013/2014